Drei Jahre Ausbildung, Prüfungsstress und anspruchsvolle Arbeitsproben liegen hinter dem Nachwuchs der Maler- und Lackierer-Innung Ravensburg. Bei der Lossprechungsfeier in Wolfegg ging es deshalb nicht nur um bestandene Prüfungen, sondern auch um die vielen Möglichkeiten, die jetzt offenstehen. Ein Beispiel dafür lieferte der frischgebackene Malermeister Noah Müller mit seinem persönlichen Karriereweg.
WOLFEGG – „So, es ist geschafft“ – mit diesen Worten eröffnete Obermeister Martin Bloching die Lehrabschlussfeier der Maler- und Lackierer-Innung Ravensburg in der Zehntscheuer Gessenried im Bauernhaus-Museum Wolfegg. Für die jungen Fachkräfte war der Abend der sichtbare Abschluss einer dreijährigen Ausbildungszeit. Bloching machte dabei gleich zu Beginn deutlich, wem die Feier vor allem gewidmet war: „Es ist ja heute euer Tag.“
Der Obermeister appellierte an die jungen Gesellinnen und Gesellen, selbstbewusst auf das Erreichte zu blicken. „Eine Ausbildung ist eigentlich immer das Fundament für die Zukunft“, sagte Bloching. Gerade im Handwerk dürfe man darauf stolz sein. Gleichzeitig sei der Gesellenbrief keineswegs das Ende der beruflichen Entwicklung. Meisterschule, Vorarbeiter, Industrie oder eine Tätigkeit als Lehrer – die Möglichkeiten seien vielfältig.
Vom Azubi zum Meister
Wie weit der Weg nach dem Gesellenbrief führen kann, zeigte anschließend der Vortrag von Robert und Noah Müller von der Heinz Müller GmbH & Co. KG aus Horgenzell. Unter dem Titel „Karriere im Handwerk – vom Azubi zum Chef“ berichteten Vater und Sohn im Frage-Antwort-Format über Noahs bisherigen Berufsweg.
Der frischgebackene Malermeister ist mit dem Handwerk aufgewachsen und entschied sich früh für eine Ausbildung in diesem Bereich. Ausschlaggebend für das Malerhandwerk war für ihn vor allem dessen Vielseitigkeit. „Alleine schon die Arbeit, wie vielseitig hier unser Handwerk ist“, erklärte Müller. Nach der Ausbildung sammelte er zunächst als Geselle Berufserfahrung, bevor er die Meisterschule besuchte.
Gerade die Gesellenzeit hält Müller rückblickend für wichtig. Sie habe ihm zusätzliche Erfahrung auf der Baustelle vermittelt und dabei geholfen, sich den Respekt älterer Kollegen zu erarbeiten. Sein eigener Weg ist noch längst nicht abgeschlossen. Nach der Meisterschule will Müller zunächst für zwei Jahre als Maler- und Lackierermeister in Stuttgart arbeiten, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Anschließend soll es zurück in den Familienbetrieb gehen. Langfristig möchte er diesen Schritt für Schritt übernehmen.
Weiterlernen gehört dazu
Auch Karl-Heinz Fehr, Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses, betonte, dass der erfolgreiche Abschluss lediglich einen neuen Abschnitt einleitet. Er würdigte die Leistungen der Auszubildenden ebenso wie die Unterstützung durch Eltern, Schule und Prüfungskommission. Besonders die praktischen Prüfungsaufgaben hätten gezeigt, was innerhalb von drei Jahren gelernt werden könne.
Fehr gab den jungen Fachkräften deshalb eine klare Botschaft mit auf den Weg: „Das Engagement braucht man, um sich weiterzubilden.“ Auch wer bereits lange im Beruf stehe, müsse sich ständig mit neuen Verfahren und Arbeitsprozessen auseinandersetzen. Der Gesellenbrief sei somit nicht das Ziel, sondern die Grundlage für weitere Entwicklung.
Prüfungsvorsitzender Hansjörg Werner gewährte zudem Einblicke in die praktischen Aufgaben. Die angehenden Maler und Lackierer mussten verschiedene Platten gestalten, Oberflächen bearbeiten und unter anderem traditionelle Pinsellackierungen ausführen. Auch moderne Materialien und Verfahren gehörten zum Prüfungsumfang.
Achtmal ausgezeichnet
Bei den Maler- und Lackierern traten 23 Prüflinge zur gestreckten Gesellenprüfung an, zwei von ihnen bestanden nicht. Bei den Fahrzeuglackierern war die Bilanz besser: Alle 13 Teilnehmer schafften die Prüfung.
Für besonders gute Leistungen wurden folgende Nachwuchskräfte ausgezeichnet:
- Lys Emelie Rickinger – Heinz Müller GmbH & Co. KG, Horgenzell
- Mia Johe – Silvia Hohl, Altheim
- Robin Lietze – Baur GmbH, Friedrichshafen
- Viktoria Bohr – Christ & Wagenseil GmbH, Leutkirch im Allgäu
- Tom Lukas Bonnke – Neo Casa GmbH, Fronreute
- Leonie Richter – IDENTICA Bernd Humm e.K., Schemmerhofen
- Adrian Michalak – Autohaus Seitz GmbH, Wangen im Allgäu
- Jan Stangohr – Roland Klaus Endrikat, Riedlingen.
Zum Abschluss richtete Robert Müller noch einen Appell an die jungen Fachkräfte: „Macht einfach weiter. Bleibt nicht stehen. Geht voran.“ Denn das Maler- und Lackiererhandwerk brauche gute Gesellen und Vorarbeiter – und gerade die jungen Fachkräfte seien „die Zukunft von unserem Handwerk“.
Bericht: Stephan Augat



