Digital Natives des Handwerks

Der Handwerker-Nachwuchs hat keine Vorbehalte gegenüber der Digitalisierung. Die Generation ist mit PC und Smartphone, mit Internet, Facebook, Instagram und Co. aufgewachsen.

Intuitiv haben sie den Umgang mit der neuen IT-Vielfalt gelernt und wünschen sich eher mehr Smart Technologie, Digital Entertainment, Cloud Computering oder Virtual Solutions.

„In unserem Betrieb arbeiten wir sogar schon mit 3-D-Druck. Wir machen damit Sonderbeschlagteile, spezielle Formen oder Gewinde, für die man den Markt mühsam absuchen oder sie gesondert in Auftrag geben müsste. Mit dem 3-D-Drucker können wir sie kostengünstig selbst herstellen, und zwar genau so, wie wir sie haben wollen. Für größere Teile wäre das aber zu langsam und zu teuer – noch“, meint Jakob Gebele, Azubi bei der Schreinerei Wirth-Bucher und schmunzelt dabei.

Für die jungen Frauen in diesem Beruf hat der digitale und maschinelle Fortschritt noch weitere Vorteile „Für den Zuschnitt von schweren Teilen sind CNC-Maschinen mit ihrer Steuerungstechnik eine echte Arbeitserleichterung – und sie sind absolut exakt, da muss auch nicht weiter nachgebessert werden“, erklärt seine Arbeitskollegin Kerstin Krattenmacher und betont augenzwinkernd dabei, dass auch ihre männlichen Kollegen nicht unglücklich über solche Hilfen sind.

„Die Jungen sind ganz scharf auf die zukunftsweisenden Möglichkeiten. Das Besondere ist, dass sie ihr Gespür für einzigartige natürliche Werkstoffe wie Holz mit der Technik verbinden können. Das macht den Handwerksberuf für sie so attraktiv.”

Michael Bucher
Kreishandwerksmeister

„Aus der Kfz-Werkstatt ist der Computer nicht wegzudenken“, sagt Dr. Hanna-Vera Müller, Vorstandsmitglied der Innung des Kfz-Gewerbes Bodensee-Oberschwaben: „Der Umgang mit digitalen Instrumenten gehört längst zu unserem Alltag. Dazu gekommen ist seit einiger Zeit die Forderung nach mehr Digital Entertainment im Fahrzeug. Darauf reagiert die Automotive-Industrie und darauf stellen auch wir Kfz-Betriebe uns immer mehr ein.“

Natürlich gibt es Handwerks-Branchen, in denen die Digitalisierung noch nicht so stark genutzt werden kann – Beispiel Frisörhandwerk. „Viele von uns bieten Stilberatung mit Frisurenkonfiguratoren an, aber unsere Kundinnen und Kunden vertrauen lieber auf unsere Erfahrung. Und einen digitalen Haarschnitt kann ich mir schon gar nicht vorstellen, das würden die Leute nicht riskieren“, meint Alexandra Frater-Pabst, Obermeisterin der Frisör-Innung Ravensburg.

Auf unserem Foto: Schreiner-Azubi Jakob Gebele freut sich über den digitalen Fortschritt und die zusätzlichen Möglichkeiten, die ein 3-D-Drucker bietet.