Im historischen Giebelsaal der Badstube in Wangen standen zwölf junge Schreinerinnen und Schreiner und ihre Gesellenstücke im Mittelpunkt. Beim Gestaltungswettbewerb der Schreiner-Innung Ravensburg zeigte der Nachwuchs, wie aus Ideen, handwerklicher Präzision und einer Portion Beharrlichkeit individuelle Möbel entstehen. Drei Arbeiten überzeugten die Jury besonders.
WANGEN IM ALLGÄU – Im Giebelsaal der historischen Badstube gab es am Samstagabend einiges zu entdecken. Doch bei der Preisverleihung des Wettbewerbs „Gestaltete Gesellenstücke“ ging es um mehr als schöne Möbel. „Eigentlich sehen wir vor allem uns“, sagte Mathias Haas, stellvertretender Obermeister der Schreiner-Innung Ravensburg, zur Eröffnung. Denn jedes Gesellenstück erzählt auch die Geschichte einer Idee, die irgendwann im Kopf begonnen hat. „Es entsteht nämlich aus Ideen, aus Beobachtung, aus Erfahrung, aus dem Ausprobieren und aus dem Verwerfen“, beschrieb Haas den Weg bis zum fertigen Möbel.
Dieser Weg ist nicht immer geradlinig. Entwürfe werden verändert, Linien gestrichen, Proportionen angepasst. Irgendwann kommt der Moment, an dem alles zusammenpasst. Dann aber muss sich die Gestaltung auch in der Werkstatt bewähren.
Kreativität braucht Handwerk
Dabei spielt auch der Werkstoff Holz eine entscheidende Rolle. Maserung, Farbe und Wuchs sind Eigenschaften, auf die der Entwurf reagieren muss. Manchmal verändert sogar das Material selbst die ursprüngliche Idee.
Auch neue Technologien wie künstliche Intelligenz eröffnen zusätzliche Möglichkeiten. Für Haas bleiben jedoch entscheidende Fragen: „Funktioniert das auch? Kann man das so bauen? Ist die Konstruktion sinnvoll? Und sind die Proportionen auch wirklich gut?“ Am Ende treffe die Entscheidung der Mensch.
Wangens Oberbürgermeister Michael Lang knüpfte daran an. Das Schreinerhandwerk sei eine der Kernkompetenzen der Region und gemeinsam mit anderen Handwerksberufen eine wichtige Grundlage für die Entwicklung des Allgäus. „Die Landwirtschaft ist das eine. Das Handwerk, der Schreiner, die Zimmerleute sind eigentlich die Grundlage für das, was hier passiert“, sagte Lang. Gerade die Verbindung aus handwerklichem Können, Kreativität und persönlicher Begabung habe die Region über Generationen geprägt.
Drei Möbel, drei Preise
Für die Jury war die Entscheidung angesichts der unterschiedlichen Arbeiten nicht einfach. Die Gesellenstücke reichten von Sitzmöbeln über Schränke und Kommoden bis zu Vitrinen, Schreibtischen und Hängeschränken. Bewertet wurden Gestaltung, Konstruktion, Material und Funktion. Den dritten Platz belegte Dominik Baumeister, Leonie Ernst erreichte Platz zwei un den ersten Platz sicherte sich Mike Kokorsch. Alle drei Erstplatzierten sind damit für den Landeswettbewerb „Die Gute Form“ qualifiziert. „Ich möchte euch ermutigen, mit gleichem Engagement dabei zu sein“, gab Haas den jungen Gesellen mit auf den Weg.
Eberhard Haug, Leiter Privatkunden Region Oberschwaben der Kreissparkasse Ravensburg, die den Wettbewerb unterstützte, brachte die besondere Qualität des Handwerks aus persönlicher Sicht auf den Punkt. Sein Urgroßvater sei Schreinermeister gewesen. Noch heute stünden Möbel von ihm im Familienhaus. „Wenn man was geschaffen hat, das kann man anfassen, das kann man greifen, das kann man vielleicht sogar riechen“, sagte Haug.
Musikalisch begleitet wurde die Preisverleihung von den Bläser-Kids der Musikkapelle Niederwangen. Am Sonntag konnten die Besucher die Gesellenstücke nochmals im Giebelsaal besichtigen – und dabei entdecken, was entsteht, wenn eine eigene Idee auf handwerkliches Können trifft.
Text + Foto: Stephan Augat

Zwölf Schreinerinnen und Schreiner aus der Region wurden in Wangen bei der Preisverleihung des Wettbewerbs Gestaltete Gesellenstücke ausgezeichnet. Foto: Stephan Augat






